Ingrid, Abitur 2018

Seneca schrieb einst „Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir“, doch in meinen Augen täuschte er sich. Es steht außer Frage, dass eine berufliche Qualifikation nicht ohne die schulische möglich ist und der Beruf
letztendlich zu den wichtigsten Säulen unseres Lebens zählt. Möchte ich diesen Stützpfeiler ausbauen oder attraktiver gestalten, so muss ich den ersten Schritt gehen. Doch Schule ist weit mehr als fachspezifische Kenntnis. Sie beinhaltet auch das Erlernen der Fähigkeiten zu wissenschaftlichem Arbeiten, sozialer Kompetenz, Teamfähigkeit und kritischem Denken. Auch als Erwachsene verlieren wir diese Lernfähigkeit nicht und profitieren davon.

Für mich war das Abendgymnasium eine schöne Zeit. Der Unterricht auf Augenhöhe zwischen Lehrern und Schülern begeisterte mich, kannte ich doch zuvor nur die hierarchische Rollenverteilung aus Kindertagen. Gegenseitige Wertschätzung und Respekt sind hier keine Worthülsen, sondern gelebte Praxis. Wir wurden bei unserem jeweiligen Kenntnisstand verständnisvoll, unterstützend und geduldig abgeholt und bis zum Abitur gestärkt begleitet. Hier ist jeder Lehrer engagiert, auch wenn nach einem langen Arbeitstag uns Schüler, insbesondere mir, beinahe die Augen zufallen. Nicht nur ein Gähnen ist ansteckend, sondern auch die Freude an einem Fach. Ich bin der Schulleitung und den Lehrern des Abendgymnasiums dankbar dafür, Neugier und Wissensdurst in mir geweckt zu haben.

Nachdem ich nun vier Jahre lang auf dem Abendgymnasium die Schulbank „gedrückt“ habe, werde ich zum Wintersemester an die Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen nach Ludwigsburg gehen, um dort das duale Studium für den gehobenen Dienst in der Steuerverwaltung anzutreten. Die investierte Zeit, Selbstdisziplin und Kraft haben sich für mich letztendlich mehr als gelohnt, und ich habe nicht nur für die Schule, sondern auch für das Leben gelernt.    

Ingrid, 38 J., Abschluss: Abitur (2018).